Der Schnitzel

Ich wäre nie DER Schnitzel geworden, ich wäre ein Schnitzel geworden.

Der 1. Tag in meinem neuen Leben!

Ich bin Schnitzel, ein Ex “AMA-Gütesiegel” Schwein, geboren um am Teller zu enden. Nur schreibt sich meine Geschichte wie durch ein Wunder anders. Geboren wurde ich 2014 im Norden Österreichs, in einer Ferkelfabrik, und nach kurzer Zeit bei meiner Mama wurde ich nach Kärnten verliefert. Dort saß ich in einer konventionellen Schweinemast, auf Beton und Spaltenboden. Ich saß im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich hatte starke Schmerzen, ein geschwollenes Bein und konnte daher auch nicht ausweichen, wenn die anderen Schweine mich angriffen. Wie durch ein Wunder wurde ich aus dieser Box gehoben, in ein Gefährt gesetzt und dann wurde es wackelig und ich war nicht sicher, was nun folgt …

Das Gefährt stoppte und ich wurde wieder aufgehoben. Die Menschen sprachen mit mir, es klang freundlich und besorgt. Schließlich wurde ich in eine Box mit so gelben Zeugs gesetzt, ich hatte Angst vor dem gelben Dingsda (heute weiss ich natürlich, dass es nur Stroh war) und flüchtete in die einzige Ecke, wo der mir vertraute nackte Betonboden war. Einer der Menschen kam zu mir in die Box, sprach mit mir, kam mit seinem Gesicht ganz nah und ich wurde neugierig und näherte mich grunzend seinem Gesicht. Ich berührte seine Nase und er sprach weiter mit mir. Das war mein Futtermeister Mario!

In den nächsten Tagen verlor ich meine Angst vor dem Stroh und begann es zu genießen mich ganz darin einzugraben. Dann kam ein Mann im grünen Mantel, den mag ich bis heute nicht so. Er verpasste mir eine Spritze! Aber dafür ließen meine Schmerzen im Bein sofort nach und es wurde gesagt, dass ich eine massive bakterielle Entzündung im Bein habe. Daraufhin wurde ich täglich eingeschmiert und mit weiteren Spritzen geärgert. Dafür hat mir mein Futtermeister in dieser Zeit die Sterne vom Himmel geholt, denn er servierte mir erstmalig Essen, dass nicht mehliges Pulver war, sondern frisches Gemüse und Obst! Leute, das waren Geschmacksexplosionen, sag ich euch.

Dann folgte der Tag der Freiheit … es war … unbeschreiblich! Ich spürte die Sonne auf meinem Rücken, das Gras unter meinen Füßen und die Erde an meinem Rüssel. Meine Instinkte erwachen und ich begann zu wühlen … ihr könnt Euch nicht vorstellen, was das für ein Gefühl war…

Ab jetzt begann mein schweinischer Alltag, ich durfte mich überall frei bewegen und mein Futtermeister erlaubte sich allerlei Späße mit mir. Ich liebte und liebe es bis heute, wenn man sich mit mir beschäftigt und rumblödelt.

Wisst Ihr, was die größte Leidenschaft meines Lebens ist? Richtig – Essen!

Ich liege gerne am Lagerfeuer, diese knisternde Wärme ist im Winter eine Wohltat … allerdings lachen meine Menschen immer und meinen, es sähe etwas seltsam aus, so ein Schwein beim Feuer … was auch immer sie damit meinen … ich finds toll

Das beste bei heißem Wetter – ein ausgiebiges Bad in unserem Schweineteich!

Kinder mag ich auch sehr gerne, sie dürfen mich bürsten, kraulen, sich an mir anlehnen oder mich bemalen. Egal, ich bin für Alles zu haben!

Man sagt mir nach, ich sei ein Promi-Schwein!

Was soll ich sagen, dass ist mein Leben und ich genieße es jeden Tag. Es ist besser als ein Lotto 6er und so unfassbar, dass genau ich, einer von Millionen Schweinen dieser Welt, das Glück hatte gerettet zu werden … 1000 Küsse,

Euer Schnitzel